Unternehmerverband Rostock-Mittleres Mecklenburg e.V.
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Dienstag, 05. Mai 2020

Tourismus in MV atmet auf – erste Lockerungen ab 9. Mai beschlossen


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Wirtschaft, Politik und Gesellschaft stehen gegenwärtig vor gewaltigen Herausforderungen.
Sehr stark betroffen von den Einschränkungen der Corona-Krise sind natürlich auch die Tourismuswirtschaft und deren Zulieferer.  Mecklenburg-Vorpommern ist bislang bekannt als DAS Tourismusland. Jahrzehntelanger Aufbau dieser Landes-Marke mit der entsprechenden Angebotsvielfalt und deren Qualität in der Branche stehen derzeit auf der Kippe. Millionenschwere Investitionen und beträchtliche Fördermittel in den letzten Jahren sollten für eine langfristige Stabilisierung der nationalen Wettbewerbsstellung sorgen. Das alles ist mit einem Schlag in großer Gefahr. Die Branche steht kurz vor dem Kollaps.

Derzeit gelten für touristische Dienstleistungen und Reisen bundesweit noch starke Einschränkungen. Übernachtungsangebote dürfen derzeit nur zu begründet notwendigen und nicht zu touristischen Zwecken genutzt werden. Auch wenn die in Aussicht gestellten Lockerungen ab dem 9. Mai eine Hoffnung darstellen, ist es doch nur die halbe Wahrheit: die dadurch zu erreichenden Umsätze sind nur ein Bruchteil derer, die wirklich in der Branche benötigt werden, um die Folgen der letzten Wochen zumindest teilweise aufzufangen.
Aber was genau ist erlaubt?
Ab 9. Mai dürfen unter strenger Einhaltung der Hygiene- und Abstandsregeln (z.B. max. 6 Personen pro Tisch) die Restaurants wieder öffnen, ab 18. Mai Hotels, Pensionen und Ferienwohnungen für Einwohner des Bundeslandes MV und ab 25. Mai für Gäste aus allen Bundesländern, allerdings mit der Belegungsgrenze von 60 Prozent bei den Hotels.

Und das sind die Regeln:
  1. Ab dem 9. Mai 2020 Öffnung von Restaurants wieder möglich, allerdings Öffnungszeiten von 6.00 bis max. 21.00 Uhr
  1. Tische sind in der Regel vorab zu reservieren
  1. Nachverfolgbarkeit durch Kontaktdaten bei Reservierung oder vor Ort von der Hauptperson (z.B. durch Telefonnummer)
  1. An den Tischen maximal 6 Personen (nicht nur Familienangehörige)
  1. Gäste müssen sitzen, Mindestabstand von 1,50 Meter zwischen fremden Personen
  1. Mund-Nasen-Schutz für Servicepersonal verpflichtend – nicht für Gäste am Tisch
  1. Verstärkte Hygienemaßnahmen und regelmäßiges Lüften in allen Bereichen
  1. Keine Gegenstände zur gemeinsamen Nutzung am Tisch (z.B. Salzstreuer oder Gewürzmühlen)

Wie gehen Hotel- und Gastronomiebetreiber mit diesen Herausforderungen um? Verbandsmitglieder haben uns ihre Erfahrungen und Gedanken hierzu mitgeteilt.

Im März mussten die Häuser geschlossen werden, der Hotelbetrieb wurde komplett heruntergefahren.
Wichtig war in allen Unternehmen in erster Linie die Kommunikation. Es wurde mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern gesprochen, die Situation erläutert und gemeinsam Maßnahmen zum gesundheitlichen Schutz der Angestellten und ihrer Familien getroffen. Gleichzeitig wurde fast überall zwangsweise Kurzarbeit eingeführt.

Die Kommunikation nach außen war parallel dazu der weitere Schritt. „Mit vielen Gästen stehen wir in direkter Kommunikation und bearbeiten die entsprechenden Wünsche mit einem kleinen Team. Dabei geht es um Stornierungen, neue Buchungen, Umbuchungen und vielfach um die Wandlung vorhandener Buchungen in Gutscheine. Sehr viele Gäste haben großes Verständnis für die aktuell sehr angespannte Situation im Hotel und unterstützen uns. Es gibt den großen Wunsch, bald wieder bei uns zu Gast zu sein, welchen wir als Gastgeber sehr gern schnellstmöglich erfüllen würden…“ sagt Guido Zöllick, General Manager vom Hotel NEPTUN.

„Neben Homeoffice und täglichen Videokonferenzen sind wir vor allem menschlich noch viel näher zusammengerückt, durch etliche Videos der Mitarbeiter an die Gäste und untereinander im
TRI-FAMILY-CHAT und durch Zusammenhalt und Solidarität vor allem in privater Hinsicht…“ sagt Benjamin Weiß, Inhaber & Geschäftsführer des TRIHOTEL am Schweizer Wald.

Absoluter Stillstand war für kein Unternehmen eine Option. Viele haben neue Wege ausprobiert um Umsatz zu generieren. Lieferservice oder Essen TO GO, Gutscheinverkäufe sowie Tagesbuchungen der Zimmer für Geschäftsleute als Alternativangebote zum Homeoffice waren Strohhalme für viele, um die nach einem langen Winter dringend benötigte Liquidität zu sichern.

Auch das Landhotel Rittmeister bietet Neues an. So ist nun die Brennerei mit einem Online-Shop am Markt. „Endlich wurde auch die lang ersehnte Erweiterung des Hauses genehmigt. Die Außenanlagen usw. werden in „Selbsthand“ durch den Rittmeister-Bautrupp erledigt…“ teilte uns Inhaber Andreas Barnehl mit.
Hier wird – wie in vielen anderen Häusern ebenso – die Zeit der Krise auch genutzt, um für die Zeit nach Corona gerüstet zu sein und mit wertigen Angeboten punkten zu können.
Aber wann ist die Zeit nach Corona? Und wie lange halten die Reserven eigentlich noch? Welche Auflagen und Schutzmaßnahmen müssen eingehalten werden, solange es kein wirksames Mittel gegen das Virus gibt?

Im Hotel NEPTUN und den anderen Häusern laufen intensive Ausarbeitungen und Planungen zu möglichen Hygienekonzepten, Konzepten zur Abstandswahrung im Haus sowie Gäste- und Mitarbeiterschutz. „Dies erfolgt, um im Öffnungsfall gut gerüstet und sofort handlungsfähig zu sein. An diesem Punkt hoffen und erwarten wir eine klare zeitliche Perspektive, praxistaugliche und nachvollziehbare Kriterien und die möglichst baldige Öffnung auch über die Landesgrenzen hinaus…“ so Zöllick in einer Stellungnahme der vergangenen Woche.

Seit Ende April ist der Hotelbetrieb für Geschäftsreisende in einigen Hotels wieder angelaufen, wobei die Außendiensttätigkeit der Unternehmen auch sehr zurückgegangen ist.

„Nun fahren wir Schritt für Schritt mit den Kollegen das Hotel wieder hoch. Fast alle Tagungen und Feierlichkeiten haben wir in den Herbst verschoben, sodass wir davon ausgehen, ab Herbst wieder volles Geschäft zu haben, wo dann auch die nächste Kultursaison startet. Die Senkung der Mehrwertsteuer auf 7 % für die Gastronomie ist richtig, vor allem auch um 28 % Tariflohnerhöhung in den kommenden vier Jahren auffangen zu können. Da muss das Land noch mehr als nur Kredite bereitstellen. Das Land muss Farbe bekennen gegenüber dem wichtigsten Wirtschaftszweig Tourismus und vor allem gegenüber der Kultur, die völlig untergegangen ist in der Diskussion…“, so Benjamin Weiß.

Alle Unternehmer heben die Unterstützungsleistungen der Bundes- und Landesregierung hervor, sehen aber auch weitere Handlungsbedarfe. Stellvertretend dazu Guido Zöllick vom NEPTUN:
„Die öffentliche Wahrnehmung der Gastronomie und Hotellerie ist gestiegen und somit die Wertschätzung der Unternehmer und Mitarbeiter. Wie wichtig dieser Wirtschaftszweig für MV und unser aller privates Leben ist, zeigt sich umso mehr, da wir derzeit keine gemütliche Zeit bei einem guten Essen und Getränken oder erholsamen Urlaub in den schönen Hotels oder fröhliche Feiern mit der Familie und Freunden in den Betrieben der Branche erleben dürfen. Ohne Touristen ist unsere Stadt, unser Bundesland nicht so schön bunt und belebt, fehlt vielen Unternehmern die Kundschaft. Hoffentlich wissen das auch nach der Krise alle entsprechend zu schätzen.
Die Landes- und Bundespolitik hat gute Programme auf den Weg gebracht (Kurzarbeit, Soforthilfen, Bürgschaften, Azubiprogramm), die aber teilweise bereits aufgebraucht sind und jetzt nachgelegt werden müssen. Wir brauchen für die besonders stark betroffene und gefährdete Branche einen Rettungsfonds von der Bundesregierung, begleitend von Landesprogrammen. Und auch für die Zeit „nach“ der Krise müssen jetzt die Weichen und Förderungen gestellt werden. Es wird noch lange dauern und ein harter Wettbewerb, an die erfolgreichen Zeiten der letzten Jahre anzuknüpfen.“

Wir als Unternehmerverband haben gemeinsam mit unseren Partnern und den Branchenverbänden für sofortige weitere Lockerungen der Reisebeschränkungen unter der Beachtung strenger Hygienemaßnahmen appelliert. Das Gästepotenzial aus unserem eigenen Bundesland reicht lange nicht aus, um die dringend benötigten Umsätze zu erreichen. Fakt ist: Wenn wir es nicht schaffen, in kürzester Zeit eine Art Normalität im Einklang mit vorbeugenden Schutzmaßnahmen zu erreichen, werden wir viele Unternehmen, hier besonders stark betroffen gerade die Kleineren, verlieren. Es darf nicht passieren, dass wir uns nicht trauen, als Bundesland eigene und den aktuellen Fallzahlen angepasste mutige Wege zu gehen!
Aber: Einen zweiten Lockdown dürfen wir dabei keinesfalls riskieren! Der daraus resultierende Imageschaden wäre eine absolute Katastrophe - eine Gratwanderung ohne Gleichen.

Wir sind uns durch unzählige Gespräche und Erfahrungen aber sicher, dass unsere Unternehmerinnen und Unternehmer ihre Verantwortung für ihre Teams und Gäste klar einschätzen und durchaus in der Lage sind, genau diese Balance und unternehmerische Herausforderung zu meistern!

Fest steht: Kredite sind hier keine Lösung – die Branche braucht schnellstens wieder Gäste!
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