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Donnerstag, 16. März 2017

Unternehmer wollen mit Russen ins Geschäft kommen - Russlandtag in Greifswald: Trotz Sanktionen soll Handel wieder florieren

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Greifswald. Unternehmen aus Mecklenburg-Vorpommern wollen trotz der Sanktionen ihr Russland-Geschäft weiter ausbauen. „Viele russische Regionen blicken nach Deutschland und möchten eine Zusammenarbeit“, erklärte gestern Andrey Zverev vom Verband russischer Industrieller und Unternehmer in Deutschland bei einer Veranstaltung in Greifswald. Es gehe darum, „unter dem Radar der Außenpolitik des Bundes“ zu bleiben“, sagte Stefan Rudolph (CDU), Staatssekretär im Schweriner Wirtschaftsministerium.
Zu den Unternehmern, die sich trotz Sanktionen in Russland engagieren wollen, gehört Fischgroßhändler Hartmut Domke aus Heringsdorf. Der Firmenchef von der Insel Usedom will Fisch aus dem Kaspischen Meer nach Deutschland importieren, 60 bis 80 Tonnen im Monat. Es ist sein erstes Russlandgeschäft überhaupt. „Noch ist nicht ganz sicher, ob es klappt“, meint Domke. Die Zusage über die für den Außenhandel nötigen Hermesbürgschaften fehlt noch. Fisch fällt nicht unter die 2014 verhängten Sanktionen.
Ende September wollen Unternehmer aus MV mit Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD) in St. Petersburg und Moskau neue Kontakte knüpfen. „Das Interesse bei den Firmen ist sehr groß“, hieß es gestern in der Schweriner Staatskanzlei. Die Rede ist von bis zu 70 Betrieben und Institutionen, die mitfahren wollen. Wichtiger Programmpunkt der viertägigen Visite ist die Schiffbaumesse Neva in St. Petersburg. Ohne Kontakte zu Regierungsstellen sei es in Russland sehr schwierig, Geschäfte zu machen, heißt es. Die Beziehungen zwischen Sellering und Regionalpolitikern in der Leningrader Region sollen ausgesprochen gut sein.
Die Rahmenbedingungen für engere Handelsbeziehungen sind denkbar schlecht. Die Ausfuhren aus MV nach Russland brachen laut Statistischem Landesamt in den ersten drei Quartalen 2016 um 48 Prozent ein. Im Fährhafen Sassnitz/Mukran, wichtiger Handelsweg nach Russland, sank der Umschlag ins östliche Riesenland auf null. Verbandsfunktionär Zverev geht davon aus, dass die Sanktionen noch Jahrzehnte andauern können. „Die Situation ist sehr, sehr schwierig“, sagte er gestern bei der Veranstaltung der IHK Neubrandenburg und des Unternehmerverbandes Vorpommern. Vergleichbare Handelssanktionen der USA aus den 1980er Jahren seien erst 2012 aufgehoben worden.
Für den Rückgang sind nicht nur die Sanktionen verantwortlich. „Schon vorher hatte sich das Volumen der Exporte erheblich reduziert“, sagt Peter Volkmann von der IHK Rostock. Der Kursverfall des Rubel verteuerte ausländische Waren in Russland, hinzu kommt die schwache Konjunktur in dem Land. Am meisten Umsatz verlor die hiesige Lebensmittelindustrie, aber auch Futterhersteller und Maschinenbaubetriebe.

Ostsee-Zeitung am 16. März 2017
Von Gerald Kleine Wördemann
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